Stiftskirche Stuttgart

Stiftskirche Stuttgart

Erbauung: 10. oder 11 Jahrhundert

 

Die in der Stuttgarter Innenstadt gelegene Stiftskirche ist die Hauptkirche der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Pfarrkirche der Stiftskirchengemeinde innerhalb des Kirchenkreises Stuttgart. Als Innenstadtkirche übernimmt sie weiterhin Aufgaben, die über ihre Parochie hinausgehen. Der untere Teil des Südturms stellt das einzige erhaltene bauliche Zeugnis der Stauferzeit in Stuttgart dar. Mit ihren beiden ungleichen Türmen ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt. Sie gilt zudem als sakrales Zentrum und Hauptkirche des protestantischen Württembergs.

Romanik

Während man bisher annahm, dass es aus dieser Zeit keinerlei bauliche Zeugen mehr gibt, zeigen aktuelle Funde im Altarbereich und im Schiff der Stiftskirche eine einschiffige frühromanische Kirche mit halbrunder Apsis, die im 10. oder 11. Jahrhundert entstanden ist. Diese erste Kirche liegt mitten im Grundriss der heutigen Stiftskirche; wie die Jahresringe bei einem Baum legen sich die baulichen Zeugnisse der nachfolgenden Jahrhunderte um den ältesten Kern.

Frühgotik

Um 1320 werden durch Graf Eberhard den Erlauchten das Chorherrenstift und die Grablege der Grafen von Württemberg von Beutelsbach nach Stuttgart verlegt, da hier in der Residenz ein besserer Schutz gewährleistet ist. Die Grablege in Beutelsbach war bei Streitigkeiten zwischen Kaiser und Graf zerstört worden. Nun wird die Stadtkirche durch päpstliches Dekret zur Stiftskirche erhoben. Ein Propst (gewählt von den Chorherren), zwölf Chorherren und zwölf Vikare tun hier Dienst. Zusammen mit weiteren Priestern ist mit ca. 30 Priestern an der Kirche zu rechnen. Da die große Zahl von Priestern Platz braucht, wird 1321/1327–1347 ein neuer Chor in frühgotischem Stil errichtet, der im Wesentlichen heute in den ursprünglichen Formen sichtbar ist. Die Achse des Chores wird gegenüber dem Schiff nach Süden versetzt, was auch später – beim Neubau des Kirchenschiffs – so bleibt.

Spätgotik

Graf Ulrich V. baute die Stadt Stuttgart aus, so ließ er auch die Stiftskirche erweitern. Von 1436 bis etwa zum Ende des 15. Jahrhunderts wurde an den frühgotischen Chor ein spätgotisches Schiff angebaut. Zur Finanzierung erhob der Graf, der trotzdem als der „Vielgeliebte“ bezeichnet wird, eine Steuer. 1463 wurde ein Ablass für alle, die zum Neubau spendeten, erhoben.

Von diesem spätgotischen Schiff sind nur die Nordwand mit den Seitenkapellen und der große Westturm erhalten. Unter dem Baumeister Hänslin Jörg, der ein Schüler des Münsterbaumeisters von Ulm und Straßburg war, wurde der Bau begonnen und dann von seinem Sohn Aberlin Jörg vollendet. Es mussten die Gegebenheiten berücksichtigt werden (Südturm, Chor, Alte Sakristei, Annakapelle). Daher waren die Wandfluchten des Mittelschiffs bereits – wie bei der spätromanischen Basilika – vorgegeben. Der flachgedeckte Hauptturm (1490–1531), das gewaltige Dach und der Südturm (oberste Geschosse aus dem 14. und 15. Jahrhundert) 1463/64 erhielt der Südturm sein sechstes Geschoss, das auch Sitz des Türmers wurde (später auf dem Westturm). Von ca. 1490 bis 1531 wurde der große Westturm (Hauptturm) durch Baumeister Marx (oder Marr) errichtet. Ursprünglich war ein spitzer Turmhelm geplant, doch vor der Vollendung kam durch die einsetzende Reformation der Bau ins Stocken und erhielt dadurch sein „schwäbisch sparsames“ flaches Dach, das die Silhouette der Stiftskirche so unverwechselbar macht. Der Turm hat eine Höhe von 61 m. 1530 wurde eine Uhr mit Schlagwerk eingebaut.

Der flachgedeckte Hauptturm (1490–1531), das gewaltige Dach und der Südturm (oberste Geschosse aus dem 14. und 15. Jahrhundert) 1463/64 erhielt der Südturm sein sechstes Geschoss, das auch Sitz des Türmers wurde (später auf dem Westturm). Von ca. 1490 bis 1531 wurde der große Westturm (Hauptturm) durch Baumeister Marx (oder Marr) errichtet. Ursprünglich war ein spitzer Turmhelm geplant, doch vor der Vollendung kam durch die einsetzende Reformation der Bau ins Stocken und erhielt dadurch sein „schwäbisch sparsames“ flaches Dach, das die Silhouette der Stiftskirche so unverwechselbar macht. Der Turm hat eine Höhe von 61 m. 1530 wurde eine Uhr mit Schlagwerk eingebaut. Die Turmvorhalle des Westturms war ursprünglich in ganzer Höhe zum Schiff hin offen. Der Turm steht quasi über dem Schiff, er ruht zur Hälfte auf den westlichen Mittelschiffpfeilern. Aus der Spätgotik stammen auch sehr viele Kunstwerke in und an der Stiftskirche. Am Westturm finden sich die vier Evangelisten, die 1495 entstanden. Das herausragendste spätgotische Kunstwerk an der Stiftskirche ist das Aposteltor von 1494, von dem leider nur die Figuren (aus der Uracher Schule) erhalten sind. Ursprünglich war das Aposteltor ein Gesamtkunstwerk aus Architektur und Steinplastik. Etwa 1500 wurde die „Goldene Kanzel“ errichtet. Sie war vermutlich ursprünglich farbig gefasst und wurde erst im 19. Jahrhundert vergoldet – aus dieser Zeit stammt auch der Name. Von der Kanzel sind wenig mehr als die Reliefs mit den Kirchenvätern Hieronymus, Gregor, Augustinus und Ambrosius erhalten, die heute im Chor aufgestellt sind. Später wurden diese Kirchenväter ihrer Kopfbedeckungen „beraubt“, da sich die reformierte Gemeinde an den „katholischen“ Kopfbedeckungen störte (Gregor beispielsweise war Papst und wurde daher mit der Tiara dargestellt). Die Kopfbedeckungen wurden zurückgearbeitet und die Figuren erhielten an deren Stelle Frisuren. So erfolgte die Umdeutung der Kirchenväter zu den Evangelisten.

Renaissance und Barock

Die Einführung der Reformation in Württemberg (1534) führt auch zu einer Neuordnung des Kirchenraums. In Langhaus und Chor wird ein Gestühl eingebaut, auf der Südempore der Fürstenstand eingerichtet, Bilder werden entfernt, Hochaltar und Altäre in den Seitenschiffen entfernt. Durch den Einbau des Gestühls im Schiff kann die Stiftskirche weniger Menschen fassen als vorher, daher werden Emporen eingebaut. In der Zeit der Reformation werden in der Stiftskirche ausschließlich Grabmale als Kunstwerke geschaffen. Ebenso werden die Grabsteine von außen in die Kirche versetzt. Der Reformator Württembergs, Johannes Brenz, Autor des Württembergischen Bekenntnisses (Confessio Virtembergica), wurde 1553 als Stiftspropst an die Kirche berufen, diese wurde so zum Zentrum der württembergischen Reformation. Nach seinem Tod 1570 wurde er in der Stiftskirche unter der Kanzel beigesetzt.

Historismus

Grundriss mit den spätgotischen Gewölben im Schiff und den Chor„gewölben“ des 19. Jahrhunderts 1826 muss wegen Einsturzgefahr das Chorgewölbe abgebrochen werden. Als Ersatz wird ein hölzernes Netzrippen„gewölbe“ mit Stuck eingebaut. Dieses Imitat prägt bis zu den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs den Chor. 1839–1843 findet die seit der Erbauung tiefgreifendste Veränderung des Kirchenschiffs durch den Architekten und Denkmalpfleger Carl Alexander Heideloff statt. Die Wände werden verputzt, Gewölbe bemalt und teilweise vergoldet, Malereien an den Emporen werden durch durchbrochene Holzbrüstungen ersetzt. Ebenso wird die spätgotische Kanzel reich vergoldet, weshalb sie danach als „Goldene Kanzel“ bezeichnet wird.

Die Geschichte der Orgeln der Stiftskirche reicht zurück in das Jahr 1381. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts befanden sich die Orgeln auf dem Lettner, und waren recht klein disponiert. Im Jahr 1807 erhielt die Stiftskirche eine (gebrauchte) Orgel mit 64 Registern, die zuvor in der Klosterkirche Zwiefalten gestanden hatte. Sie wurde zunächst im Chorraum aufgestellt, im Jahr 1837 von Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg) in einem neugotischen Prospekt auf der Westempore aufgestellt und auf 80 Register erweitert. Nachdem das Instrument 1944 völlig zerstört worden war, baute die Orgelbaufirma Walcker in den 1950er Jahren auf der Westempore eine neue Orgel mit 86 Registern. Die Walcker-Orgel wurde 2004 durch ein neues Instrument ersetzt, das von der Orgelbaufirma Mühleisen (Leonberg) erbaut wurde. Aus der Vorgängerorgel wurden 7 Register übernommen. Die Mühleisenorgel hat 81 Register (5.366 Pfeifen, davon 352 aus der Vorgängerorgel) und ist damit das größte Kircheninstrument der Stadt. Im Rückpositiv befindet sich ein Glockenspiel, im Schwellpositiv ein Röhrenglockenspiel. Außerdem verfügt die Orgel über zwei Zimbelsterne. Die Orgel hat mechanische Schleifladen (mit Ausnahme des Pedals: elektrisch-pneumatische Kegelladen von 1958), eine mechanische Spieltraktur, mechanische Koppeln (mit Ausnahme der Koppeln für das IV. Manual (Schwellwerk), die elektrisch sind), und eine mechanische und elektrische Doppelregistratur.

Mesner: Markus Friedrich
Johannes-Brenz-Platz
Stiftsstr. 12
70173 Stuttgart
Tel. 0711- 29 42 92
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